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Der Brocken im Harz

Der Brocken – Nordeutschlands höchster Gipfel

Prägnante Landmarke, sagenträchtige Inspirationsquelle und facettenreiches Ausflugsziel zum Wandern – der Brocken fasziniert mit wechselvoller Geschichte und beeindruckender Natur.

Der Brocken – Highlight im Harz

Schon von weitem sichtbar ragt er aus den Wäldern des Oberharzes empor: der Brocken mit seiner markanten, häufig in Nebelschwaden gehüllten und windumtosten Kuppe. Denkt man an den Harz, so assoziiert man das höchste Gebirge Norddeutschlands wohl als erstes mit dem 1141 Meter messenden Brocken innerhalb der Gemarkung Schierke in der Nähe der Fachwerkstadt Wernigerode. Sein abgerundeter, nur mit Zwergstrauchheide bewachsener und von ausdehnten Hochmoorflächen umgebener Gipfel besticht mit karger Schönheit und zieht Naturliebhaber und Outdoorbegeisterte in seinen Bann.

Der Name des geologisch einzigartigen Berges im Oberharz bildete sich im ausgehenden Mittelalter heraus. Er entstand vermutlich aufgrund dessen unförmiger Gestalt, Bezug nehmend auf die ihn prägenden rauen Hochebenen und gebrochenen Blockhalden. Heinrich Heine formulierte einige Jahrhunderte später treffend: Der „alte, weltberühmte Brocken“ habe etwas „Verständiges, Tolerantes“, gleichwohl auch „seine burschikosen, phantastischen Zeiten“.

Landmarke der Kulturgeschichte

Die Nutzung des Brockens als Aussichtspunkt reicht bis in die Vorgeschichte zurück. Schon in der Bronzezeit diente der Berg als Landmarke für ein Observatorium, das sich auf dem Großen Mittelberg, dem Fundort der Himmelsscheibe von Nebra, südwestlich vom Brocken befand. Im Zuge der Landesaufnahme des territorial gewachsenen Königreichs Hannover führte der Mathematiker Carl Friedrich Gauß vom Brocken aus seine dreiecksförmige Vermessung des Herrschaftsgebietes durch und nutze dabei die hervorragenden Blickverbindungen des Berges.

Seine exponierte Lage im Hochharz, die zeitweise extremen klimatischen Bedingungen und die überraschenden Wetterwechsel machten den Brocken ab dem späten 19. Jahrhundert zu einem idealen Standort für eine Wetterwarte und ab den 1930er-Jahren auch für verschiedene Sendeanlagen des Rundfunks. Der dort 1935/1936 errichtete Fernsehturm, heute Hotel und Aussichtsplattform, ist der erste der Welt. Das Gebäude der Wetterstation auf dem Brocken wurde im Jahr 1939 erbaut und 2010 als Referenzstation des Deutschen Wetterdienstes etabliert.

Brocken – Entwicklung zum Reiseziel

An der Wende vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit erfolgte die erste weithin bekannte Brockenbesteigung. Der Arzt und Botaniker Johannes Thal erwanderte den Berg etwa in der Mitte des 16. Jahrhunderts und verfasste nach dem Wandern eine Beschreibung der beim Brockenaufstieg vorgefundenen subalpinen Flora.

Im 18. Jahrhundert gewann der Brocken zunehmend an Attraktivität für Wissenschaftler, Künstler und Erholungssuchende. Dem steigenden Reise- und Wandertourismus Rechnung tragend, entstanden ab 1736, dem Erbauungsjahr des denkmalgeschützten, als Zuflucht für Wanderer bei den brockentypischen rasanten Wetterumschwüngen dienenden Wolkenhäuschens, Unterkünfte und Gasthäuser auf der Kuppe des Brockens.

Mit der Dampflok auf den Brocken
Mit der Dampflok auf den Brocken – Bahnhof Drei Ahnen Hohne

Seit 1899 bringt die Harzer Schmalspurbahn von Schierke aus zahlreiche Harzbesucher behaglich durch Fichtenwälder und Heidelandschaften zuckelnd hinauf zum Brockengipfel und wieder hinab. Integriert in das und benachbart zum Gebäude der Sendeanlage gelegen sind moderne Hotels, gemütliche Restaurants und naturwissenschaftlich-historische Informationseinrichtungen wie das Brockenhaus.

Das Gebäudeensemble verbindet die Harzer Gastfreundlichkeit mit einem abwechslungsreichen Geschichts- und Naturerlebnis, lädt zum Erkunden und Entschleunigen auf dem Berg ein. Die Ursprünge des Brockenhotels gehen auf die Zeit um 1800 zurück. Nach Bränden und Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg entstand der heutige Bau ab den 1950er-Jahren neu und kann sich als höchstgelegenstes Hotel des deutschen Nordens rühmen.

Sagenumwobener Blocksberg

Geisterwesen, Hexen und dämonische Tanztreffen zu Walpurgis in der Nacht auf den ersten Mai – um den im Volksmund Blocksberg genannten Brocken ranken sich Mythen und Legenden, die sich zum Teil bis in das Mittelalter zurückverfolgen lassen. Sehr zu dieser Sagenbildung beigetragen hat vor allem Johann Wolfgang von Goethe, der den Berg im Jahr 1777 bestieg und in der Walpurgisnachtszene seines „Faust“ metaphorisch reich bedichtete, den zaubertollen Berg beziehungsweise die Gegend um Schierke so zu einem Stück der Weltliteratur machte.

Dies war so prägend, dass sich auch Heine bei seiner Brockenbesteigung der „ergötzlichen Blocksbergsgeschichten“ und „große[n], mystische[n], deutsche[n] Nationaltragödie vom Doktor Faust“ nicht erwehren konnte.

Aktives Naturerlebnis und schaurig-schöne, fantasieanregende Sagenwelt gehen entlang des quer durch den Harz verlaufenden Harzer Hexenstiegs und des den Brocken erklimmenden Teufelsstieges eine besondere Verbindung ein. Und vielleicht trifft der ein oder andere beim Wandern am Brocken und im Nationalpark in den dämmerigen Nadelwäldern, nebligen Hochmooren oder hinter den schroffen Felsklippen doch einmal auf ein sagenhaft anmutendes Phänomen.

Brocken – Mittelpunkt im Nationalpark

Bis etwa 1800 hatte die Montanindustrie zur Entwaldung großer Teile des Harzes geführt. Nachdem Graf Christian Ernst von Stolberg bereits im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts eine Verfügung erlassen hatte, die Zerstörungen des Waldes am Brocken ahndete, setzte ab dem frühen 19. Jahrhundert ein Umdenken zugunsten der Naturlandschaft ein.

Im Rahmen erster Planungen zum Nationalpark Harz entstand 1890 auf dem schroffen Berggipfel als Nachfolger eines Pflanzengartens in Schierke der Brockengarten. Der botanische Garten präsentiert subalpine Vegetation und verfügt über einen Bestand von mehr als 1.500 verschiedenen Pflanzenarten aus Hochgebirgsregionen sowie einen Versuchsbereich zum Biotopschutz.

Seit 2006 erstreckt sich im Oberharz zwischen Wernigerode und Ilsenburg sowie Herzberg und Bad Lauterberg der überwiegend der natürlichen Dynamik überlassene Nationalpark Harz mit dem Brocken im Zentrum. Wer nicht mit der nostalgischen Dampfeisenbahn hinauf zum nach der Wende renaturierten Gipfel fahren möchte, wird beim Wandern durch die Buchen- und Fichtenwälder an steilen Berghängen, moorigen Hochebenen und tief eingeschnittenen Flusstäler mit etwas Glück auf die seltenen Tier- und Pflanzenarten des Harzes stoßen. Viele Pflanzen haben sich optimal an die Lebensbedingungen rund um den Brocken angepasst.

Neben Rot- und Rehwild durchstreifen heute wieder Luchse und Wildkatzen die ursprüngliche Landschaft im Nationalpark. In den Hochmooren gedeiht der naturgeschützte Sonnentau und auf dem Bergplateau haben das Brockenhabichtskraut und die Brockenanemone ihren deutschlandweit einzigen Standort.

Vielfältiges Wanderwegenetz

Die unberührte Natur durchziehen rund um den Besuchermagnet Brocken serpentinenartig ansteigend zahlreiche Wege, die beim Wandern Landschaftserlebnis, Aktivurlaub und Erholung garantieren. Ob auf dem Heinrich-Heine-Weg Panoramaausblicke genießen, auf den Spuren des Dichterfürsten auf dem Goetheweg wandeln oder entlang des Harzer Hexenstiegs in die Sagen- und Märchenwelt eintauchen – die höchste Erhebung Norddeutschlands hält für jedes Interesse und jede Kondition die passende Wanderroute bereit, auch wenn man ab und zu im wahrsten Sinne des Wortes über einige (Gesteins-)Brocken klettern muss.

Schierke am Fuße des Brocken

Für den Einstieg in das gut markierte Wegenetz bietet sich unter anderem der beliebte Luftkurort Schierke am Südosthang des Brockens an, da Schierke dem Brocken von allen Städten des Harzes geografisch am nächsten kommt. Das von historischen Gebäuden und vornehmen Villen geprägte Stadtbild im felsgesäumten Flusstal der Kalten Bode macht Schierke zu einem Zentrum des Harztourismus. Zudem verfügt Schierke über einen Bahnhof der Harzer Schmalspurbahnen und Wanderwege rund um die Stadt, auf denen man das Wahrzeichen von Schierke, die Feuersteinklippen, bestaunen oder informative Naturlehrpfade begehen kann.

Vor Ort lässt es sich zwischen mehreren Möglichkeiten für den Aufstieg zum Brocken wählen. Je nach persönlichen Vorlieben und sportlicher Fitness bieten sich dafür entweder die historische Eisenbahn oder die asphaltierte Brockenstraße oder der streckenweise anspruchsvolle Wanderweg an. Der steil ansteigende und konditionell fordernde, jedoch stets überaus reizvolle Pfad passiert vom Wind zerzauste Bergfichtenforste und sprudelnde Flussadern, bis nach circa acht Kilometern und zwei Stunden der höchste Berg des deutschen Nordens erreicht ist.

Torfhaus  – auf den Spuren Goethes zum Brockengipfel

Als westlicher Startpunkt für die Wanderung um und auf den Brocken eignet sich Torfhaus, das aufgrund seiner erhöhten Lage bei klarem Wetter einen optimalen Blick auf den Gipfel ermöglicht. Wer eine Tageswanderung unternehmen möchte, kann die Erkundungstour durch den Oberharz auch in der Kurstadt Altenau beginnen. Ihr nordöstliches Pendant ist Wernigerode, die bunte Stadt mit ihrem die reich verzierten Fachwerkhäuser überthronenden Schloss im neogotischen Stil, von dessen Terrassengärten man das Brockenplateau vor dem Wandern schon einmal in Augenschein nehmen kann. Dank seiner guten Verkehrsanbindung und kunstvoller Architektur ist Wernigerode die ideale Basis für Ausflüge in den Nationalpark Harz.

Nur unmittelbar außerhalb des Nationalparks Harz gelegen, lockt der schließlich auch der Wurmberg mit seinen beiden markanten Klippen mit aussichtsreicher Harzer Bergeinsamkeit. Er ist nach dem Brocken die zweithöchste Erhebung des traditionsreichen Mittelgebirges Harz und sagenumrankt wie sein großer Bruder – der geologisch, geografisch und geschichtlich einzigartige Brocken.

Weiterführende Links:
Brockenwanderung auf den Gipfel | VIDEOS Harz | Heinrich Heines Brockenaufstieg | Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn | Mit dem Ranger auf dem Brocken – Veranstaltung | Anfahrt Bahnhof Schierke: Google Maps

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